A photo of Joram Schwartzmann

7 Tipps für die Wissenschaftskommunikation aus dem Labor

Du sitzt den ganzen Tag im Labor und findest spannende neue Erkenntnisse? Die sind viel zu schade, um sie nur in einer Veröffentlichung in ein paar Jahren zu teilen. Das Gleiche gilt für Deine Erfahrungen als Forscher*in. Wer von Deinen Freunden versteht schon so richtig, was Du so den ganzen Tag treibst? 

Dabei ist es ganz einfach, selbst Deine Forschung zu kommunizieren, und zwar so, dass auch Deine Freunde vom Fußballtraining verstehen, warum Deine Arbeit so toll ist. Hier sind 7 Tipps, die Dir dabei helfen, von Deiner Forschung zu erzählen. 

1. Tweets von der Laborbank

Twitter ist super. Eine riesige Forschungscommunity twittert fleißig von Ergebnissen, Konferenzen und allem, was die Forscher*innen so bewegt. An der Grenzfläche dieser Blase finden sich auch etliche Menschen, die komplizierte Forschung einfach erklären. 

Ein Twitteraccount ist schnell angelegt – und schon kann es losgehen. An Deiner Stelle würde ich aber noch einen kleinen Moment mit den ersten Tweets warten und stattdessen fleißig folgen und mitlesen (mich findest Du zum Beispiel hier). Wenn Du weißt, wie der allgemeine Tonfall ist, ob Du lieber in Deutsch oder Englisch twitterst und wie viel Du von Deiner Arbeit teilen möchtest, ist der Zeitpunkt gekommen, selbst zu twittern. 

Schreib zum Beispiel von Deinem Tag im Labor, von neuen Experimenten, auf die Du Dich freust oder über spannende Paper, die Du gerade gelesen hast. Ein freundlicher und konstruktiver Tonfall ist auf jeden Fall angebracht – Du findest allerdings auch Gleichgesinnte, wenn Du Missstände oder persönliche Probleme ansprichst und andere nach Ihren Erfahrungen fragst. Am wichtigsten ist aber, dass Du Spaß daran hast, was Du tust. 

2. Freshe Forschungs-Fotos bei Instagram 

Instagram ist nur was für Models und Influencer? Falsch! Immer mehr Wissenschaftler*innen teilen ihre Arbeit in der Form von schicken Fotos auf Instagram. Bilder von Gelapparaturen, aus dem Gewächshaus oder einer Konferenz finden ihren Platz auf Instagram. 

Mittlerweile ist die durchschnittliche Fotoqualität ganz schön durch die Decke gegangen. Mit ein paar Schnappschüssen von einem Nokia 3210 kommst Du hier nicht weit. Ein aktuelles Smartphone mit guter Kamera ist Pflicht – oder sogar gleich eine große Kamera. Aber lass Dich nicht abschrecken, Fotografieren ist schnell genug gelernt und auch hier gilt: Inspiration findet sich bei vielen anderen Accounts. Bald merkst Du: das Labor ist voller spannender Einblicke. 

3. Auf die Bühne

Digital kann Dir gestohlen bleiben? Du willst lieber direkt mit Menschen interagieren? Im echten Leben? Was ist denn mit Dir los?! 

Keine Sorge, auch für Dich gibt es was. In fast allen Städten gibt es Science Slams auf ganz kleinen und ganz großen Bühnen. Schau zu Beginn mal an Deinem Institut und in der Umgebung, was so los ist und spring einfach mal ins kalte Wasser. Bei einem Science Slam präsentierst Du Deine Forschung auf unterhaltsame Weise – und in weniger als zehn Minuten. Science Slams sind eine tolle Erfahrung eine hervorragende Übung für Talks in wissenschaftlichen Kontexten.

4. Labern über Wissenschaft

Du kennst das sicherlich: manchmal kannst Du einfach nicht aufhören, über Deine Forschung zu quatschen. Viel zu viel ist viel zu spannend, es gibt etliche Details, über die es sich zu sprechen lohnt. 

Wenn Du keine Lust hast, das alles runterzutippen, kannst Du es doch einfach in ein Mikrofon sprechen. Schnapp Dir am besten eine Freund*in und starte einen Podcast zu den Themen, die Dich brennend interessieren. Du kannst Hintergründe ausführlich erklären, neue Forschung vorstellen oder Interviews mit interessanten Menschen führen. 

Einen Podcast zu starten, ist einfacher als Du denkst. Eine Anlaufstelle im deutschsprachigen Raum ist das sendegate. Bei den Wissenschaftspodcasts findest Du viele gute Beispiele für Formate, bei denen Du Dich gerne inspirieren darfst. Und wenn Du was über molekulare Pflanzenbiologie erfahren möchtest, hör doch mal in meinen Podcast rein: Plants and Pipettes.

5. Zeige Menschen Deine Arbeit

Fast jedes Institut hat eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit – und fast jedes Büro für Öffentlichkeitsarbeit hat Menschen, die sich über engagierte Wissenschaftler*innen aus dem eigenen Haus freuen. 

Klopf mal freundlich an und frag, wie Du aushelfen kannst. Die Chancen stehen gut, dass Du bei Führungen durchs Haus, Kurzvorträgen oder sogar bei Videos für soziale Netzwerke helfen kannst – Eine hervorragende Möglichkeit mit wenig Aufwand viel Erfahrung zu sammeln.

Und wenn es gerade keinen Bedarf gibt, frag einfach ob Du auf eigene Faust eine kleine Aktion umsetzen kannst. Das kann ein Abend in der Studikneipe sein, bei dem zu Bier und Chips von der Forschung im Institut erzählst, eine Führung durch die Gewächshäuser oder eine Woche, in der Du den Facebookkanal des Instituts übernimmst und mal aus Deiner Sicht zeigst, wie Forschung aussieht. 

6. Kombiniere Medien

Du möchtest am liebsten alles machen? Lange Texte, Bilder, Videos und das ganze mit Kommentaren von Menschen, die Deine Inhalte lesen? Dann starte einen Blog. 

Bloggen fühlt sich ein bisschen an wie 2003, aber auch heute sind Blogs immer noch eine Top-Quelle für spannende Einblicke in die Forschung. Texte schreiben ist ohnehin eine Kernkompetenz von Forscher*innen, warum also nicht auf dem eigenen Blog ein paar Texte veröffentlichen? 

Heute ist es einfach wie nie, einen eigenen Blog anzulegen. Das kann ein Wordpress-Blog auf dem eigenen Server sein, aber auch ein Profil bei medium. Wenn Dir die schreckliche UI von Facebook nichts ausmacht, kannst Du sogar hier lange Posts schreiben. Vorteil von Deinem eigenen Blog: Du hast die volle Kontrolle. Egal ob Fotos, Texte, Videos, Zitate... alles findet seinen Platz. 

7. Werde YouTube Star

Zugegeben, dieser Tip ist nicht wirklich perfekt für Anfänger*innen. Zwar kann jedes Smartphone heute Videos aufzeichnen und schneiden, für eine Karriere bei YouTube braucht es aber noch ein bisschen mehr Aufwand – und vor allem viel Zeit.

Es lohnt sich allerdings, diese Zeit aufzubringen. Gute Wissenschaftsvideos auf deutsch sind rar bei YouTube und die Fähigkeiten, die Du dort lernst, lassen sich auch auf viele andere Bereiche übertragen: präzises sprechen, Planung, Umsetzung und Storytelling helfen auch bei wissenschaftlichen Vorträgen. 

Ich habe in der Vergangenheit mal über die Grundlagen der Formatentwicklung und der Technik geschrieben. Hier findest Du ein PDF mit Hilfestellungen für die Videoproduktion als Forscher*in. 

Mehr Ideen?

Hast Du noch mehr Ideen, wie man Forschung selbst kommunizieren kann?Schreib mir bei twitter, dort findest Du mich unter @sciencejoram

Dieser Artikel wurde aktualisiert am 9 Januar 2020

Joram Schwartzmann

Joram Schwartzmann ist Wissenschaftskommunikator aus Berlin. Er beschäftigt sich mit Pflanzenbiologie und Forschungskommunikation.

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